03 Januar, 2007

...Nemo gefunden...

Wow, wie schnell doch die Zeit vorbeirauscht hier in Asien, habe soeben bemerkt, dass ich schon ne ganze Weile nichts mehr geschrieben habe... Und in der Tat habe ich die letzten zwei Wochen schon wieder so genial viele wunderschoene Erlebnisse gehabt, dass ich unmoeglich alle hier niederschreiben kann...irgendwo moechte ich aber trotzdem beginnen und obwohl wir schon das Jahr 2007 schreiben, gab's Ende 2006 doch noch so Einiges was mir in guter Erinnerung bleiben wird, wie zum Beispiel die Besteigung des Mount Kinabalu an Weihnachten: Da ein Walliser auch in Asien ein Walliser bleibt, zieht es mich auch hier in die Berge und die freie Natur. So entschied ich mich mit zwei deutschen Jungs am Weihnachtstag den hoechsten Berg Sued Ost Asiens zu besteigen. Uns erwarteten am ersten Tag (23.12) 4 Stunden Bergwanderung durch heissen tropischen Urwald, an dem wir maechtig am Schwitzen waren, legten wir doch bei 30 Grad etwa 1500 Hoehenmeter zurueck. Das Basislager (unbeheizt) auf 3200 mueM ist nicht gerade vergleichbar mit einer SAC Huette und so froren wir uns bei gerade mal 5 Grad regelrecht den A... ab :-) Am 24. dann gings schon um 3 Uhr los mit dem Gipfelsturm, den wir unter einem imposanten Sternenhimmel zurucklegten und von welchem wir einen leicht wolkendurchzogenen Sonnenaufgang bestaunten waehrend wir immer noch am frieren waren... Nicht etwa, dass es wirklich kalt war, aber seit bald 5 Monaten bin ich praktisch nur noch in Regionen unterwegs gewesen, wo's 30 Grad und mehr hatte...da kommt man bei 12 Grad doch schon leicht ins froesteln...
Die 2300 Hoehemeter zuruck in den Regenwald und National Park Eingang legten wir relativ zuegig zurueck, weshalb mir der Berg trotz pflichtgemaessem Dehnen zum Weihnachtsfest einen ordentlichen Muskelkater schenkte, den ich auch noch 5 Tage spaeter spuerte...ja, ich bin wohl nicht mehr so in Form... :-)
Per Anhalter gings wieder ans Meer wo wir von einem erfrischenden Tropenregen erwartet wurden..mir wars egal, immerhin war's wieder mehr als 30 Grad warm und ich freute mich auf ein paar Drinks mit etwa 15 anderen Backpackern zusammen, die dieses Jahr Weihnachten auch fernab von zu hause feierten...Die Fotos vom Gipfelsturm versuche ich noch irgendwie hochzuladen, Fotos von der Weihnachtsparty, naja... wahrscheinlich wieder zensiert... ;-)

Tja, jetzt wisst ihr eigentlich immer noch nicht wirklich viel ueber Borneo...hmm, ich kann euch nur sagen, dass Borneo fuer jeden Naturliebhaber und Abenteurer das pure Paradies ist: in borneo gibt es einige der weltweit aeltesten Regenwaelder weil diese von den Eiszeiten nicht betroffen waren und deshalb bis zu 100 Mio Jahren alt sind. Deshalb gibt es unglaublich viele Nationparks (NPs) in denen es Unterschiedliches zu entdecken gibt, so auch im Kinabatan River NP welchen ich waehrend einer dreitaegigen Jungeltour besuchte: Nun kann ich nachfuehlen, wie sich Tiere im Zoo fuehlen muessen, denn im Jungel ist es genau umgekehrt: wir Menschen dringen in ein Gebiet ein, in dem wir keinesfalls heimisch sind und schuetzen uns in Zelten und Huetten vor den Tieren: wir schliessen uns in Kaefige um die Tierwelt zu bestaunen (was wir auch tun) aber im Grunde sind es doch die Tiere, die uns waehrend dieser drei Tage beobachtet hatten und sich hie und da einen Spass mit uns erlaubten (vor allem die Affen...). Wir haben Schlangen, Skorpione, Krokodile, Froesche (ja Caro, die ganz kleinen gruenen und blauen:-), unmengen an Voegeln und Affen und viele weitere Tiere, dessen Namen ich nicht kenne gesehen. Das bleibenste Erlebnis aber war, als ich ein eines Morgens allein loszog, um ein bisschen die Umgebung ums Camp zu erforschen: Ich hoerte aus weiter Ferne dass sich irgend etwas in den Aesten der Baeume bewegte und ich wartete geduldig etwa 10 min bis 5 Meter vor mir ein wildes, etwa 2 Meter grosses Orang-Utan Weibchen aus dem Dickicht des Urwalds trat und mich mit ebenso grossen Augen bestaunte wie ich sie. Sie schien ueber meine Anwesenheit ebenso erstaunt gewesen zu sein wie ich ueber die ihrige und wir haben uns gegenseitig waehrend sicherlich 3 minuten begutachtet (im englischen wuerde man sagen, "I was petrified" und nein, habe voellig vergessen ein Foto zu machen weil ich dermassen mit Staunen beschaeftigt war...) bis hinter ihr ihr kleines Orang-Utan Baby sich blicken liess...Natur pur...!!

Nach diesem wildlife Erlebnis wollte ich mich eigenlich auf den Weg machen, um in Semporna (kleines Staedtchen am oestlichsten Ende von Sabah (Distrikt in Borneo) ziemlich nahe zu Indonesien) ein bisschen Schnorcheln zu gehen. Semporna, respektive Pulau (=Insel auf malaysisch) Sipadan ist eine der weltweit top 5 dive sites ueberhaupt. Da war ich also, konnte (noch) nicht Tauchen, wollte aber nach Sipadan...Die Loesung: Mein eigenes Weihnachtsgeschenk war dieses Jahr ein PADI Open Water Dive Kurs, der mir diese Unterwasserwelt erschliessen sollte. Gedacht, getan und so konnte ich nach dreitaegiger Ausbilung dann am 1.1.2007 endlich nach Sipadan tauchen gehen. Die Neujahrs-Nacht war der Gesundheit und der Natur zu liebe weniger wild als in den vergangenen Jahren, ich haette mir aber auch keinen besseren Start ins 2007 (welches ich 6 Stunden vor euch allen feiern durfte :-) vorstellen koennen als mit Tauchen!!!! Waehrend ihr also noch alle kraeftig am feiern ward, gings bei mir schon um 7 Uhr los um mit dem Boot auf die etwa 50 km entfernte Insel zu fahren. Das Spezielle an Sipadan ist, dass die ein Berg ist, der aus dem Meer ragt: um eine kleine Insel mit wunderschoenen Sandstraenden befindet sich ringsherum ein Riff und dann gehts 2000 Meter senkrecht hinunter in die Tiefe... Was mich da erwartete kann ich kaum beschreiben, ich fuehlte mich wie in einem riesigen Aquarium, dass gefuellt war mit Haien (Riffhaie und ja, sogar Hammerhaie), vielen Schildkroeten, Barracudas und abertausenden in den wunderschoensten Farben leuchtenden kleineren und groesseren Fischen...so was hab' ich noch nie erlebt!!! Ich glaube ich habe MEIN Element entdeckt...im Sternzeichen des Fisch geboren...
Ich empfehle daher jedem Taucher Sipadan (fuer einige Bilder http://images.google.ch/images?hl=de&q=sipadan&btnG=Bilder-Suche)
... et voila, dass ihr noch was fuers Auge habt...:








...etwa 3 cm gross...


...etwa 2 meter gross, also klein :-)


auch etwa 2 meter gross und damit schon ueber hundert jahre alt...

21 Dezember, 2006

Singapore - der etwas andere Kulturschock

Liebe Leute, dass Internet hier in Malaysia (Borneo) ist dermassen langsam, dass ich mich in meinen zukuenftigen Berichte wohl sehr knapp halten werde und euch dann die Fotos und die passenden Geschichten offenbaren werde, wenn ich wieder in der Schweiz bin...

Bevor ich jedoch nach Borneo flog, habe ich Rodolphe, einen ehemaligen CS Arbeitskollegen in Singapore besucht. Schon als ich am Flughafen ankam (und wie immer ist der Flughafen die Visitenkarte eines Landes oder einer Stadt...) war ich von der Sauberkeit und Effizienz dieses Flughafens beeindruckt: Kein Warten, kein Draengeln (a la Indien) und als ich (meeeega maessig klimatisierten) Taxi fuhr, fragte ich mich, wo bloss die ganzen Menschenmassen in Singapore seien: die Strassen waren menschenleer, die Autos fuhren in den vorgezeichneten Spuren und auch sonst wurde nicht gehupt und im Zick Zack ueberholt - ganz europaeisch zivlisiert halt :-)
Die schockierenden Eindruecke gingen weiter, als ich Rodolphe's Wohnung betrat: Marmorboden, suuupersauber, riiesen Bett und draussen war ein Swimming Pool, ein Tennisplatz und ein Fitness Centre - wohlgemerkt, alles von der CS bezahlt... Zu guter letzt wurden wir von Rod's Kumpel mit einem BWM (irgendwas) abgeholt und fuhren Richtung Sigapore Downtown...dass alles schien mir doch ein wenig irreal zu sein, war ich doch ein paar Stunden zuvor im stinkenden Bangalore in der Waiting Hall auf dem Boden sitzend auf meinen Flug warten...

Singapore selber gefiel mir doch recht gut: sauber, heiss, angenehme(re) Menschen und so weiter...alles im allem eine kleine europaeische Insel Mitten in Asien...will nicht viel ueber Singapore schreiben, von euch waren ja eh schon fast alle mal hier und wer nicht, der wird sicher in den kommenden Monaten (gaell Mama und Papa :-) oder Jahren mal hier landen oder umsteigen...

Zur Zeit bin ich in Kota Kinabalu irgendwo in Ost-Borneo und ich bin ueberrascht wie fortschrittlich Malaysia ist. Morgen gehts weiter in den Mount Kinabalu Nationalpark und von da aus hinauf auf den Mount Kinabalu, der mit knapp 4100 mueM der hoechste Berg Sued Ost Asiens ist...ich werde also am Weihnachtstag zuerst wohl ein wenig auf 4000 Metern frieren und abends am Strand genuesslich Seafood essen (was ich uebrigens schon die ganze Zeit tue und ich doch das Gefuehl habe, dass meinetwegen der Shrimps, Prawns und Lobsterbestand doch arg abnimmt in diesen Gegenden :-)

WUENSCHE EUCH ALLEN FROHE WEIHNACHTEN UND EINEN GUTEN RUTSCH INS 2007 !!!

11 Dezember, 2006

Adieu Bangalore...adieu Indien

...hab mir lange Zeit gelassen bis ich eine Art Resumee ueber dieses Land und diese Stadt im Speziellen schreibe. Der Grund liegt darin, dass ich nicht weiss ob ich froh bin endlich zu gehen oder ob ich doch noch eigentlich hier bleiben moechte...So gegensaetzlich wie dieses Land ist, so unterschiedlich waren meine Erfahrungen hier und meine Eindruecke. Ich glaube ich liebe Indien so sehr wie ich es auch hasse! Man stelle sich vor, ich habe jetzt seit gut 3 Monaten in einer 6 oder 7 Millionen (wer weiss das in Indien schon so genau :-)) Stadt gelebt wo sich taeglich 5000 (!!) neue Menschen niederlassen (ueber 1.5 Millionen im Jahr). Diese Stadt platzt foermlich aus allen Naehten, ein System oeffentlichen Verkehrs ist praktisch inexistent und so gibt es lauter privater Busbesitzer die ihre Mitarbeiter zur Arbeit fahren: dass laeuft dann so, dass zum Beispiel allein Wipro taeglich mit ca 300o Bussen durch die Stadt faehrt, dann kommt Infosys auch nochmals mit 2000 und Oracle mit 2000 und SAP mit 3000 (und wahrscheinlich noch 100'000 andere) und 2 Millionen Rikshaws, 1 Million Mofas, etwa 1 Million "normaler" Autos gepaart mit mehreren tausend heiligen Kuehen, Hunden Ziegen UND den Millionen Menschen auf den Strassen...Als Tourist is das dann ganz amuesant mal zu sehen, ABER hier zu leben ist eine gaaaaaanz andere Geschichte.
Letzhin war ich mal wieder in der Stadt um meine letzten Einkaeufe zu erledeigen und wollte mit einer Rikshaw die 10 Kilometer zurueck zum Campus fahren. Alles in allem dauerte die Fahrt 1.5 Stunden: Stau Stau Stau...und ich mittendrin in einer Rikshaw (offenes dreiraedriges Gefaehrt: laut, stinkig aber billig und mega wendig im Verkehr und deshalb schnell) zwischen den stinkenden Bussen und Autos. Die Strassen links und rechts gesaeumt von Slums und Bettlern...Eine Traene kullerte mein Wange runter und ich fragte mich: "Wohin geht diese Stadt, dieses Land? Wohin geht diese unsere ganze Welt?!"
In solchen Momenten bin ich froh Indien zu verlassen (geschweige denn von den arrangierte Hochzeiten! aber das ist wieder ein anderes Thema...). Wie privilegiert wir doch im Westen sind!! Wir haben saubere Strassen, Oeffentliche Verkehrssysteme, saubere Seen, Waelder, Berge, gute Luft...und Wohlstand, materiellen Reichtum. Wir leben im vermeintlichen Paradies, aber wir geben viel dafuer auf: Arbeiten und halb tot, lassen uns vom Geld korrupieren, Religion und Spiritualitaet werden laenger wie mehr zur Seite geschoben weil fuer uns kein direkter und damit materieller Nutzen entsteht. Wohlgemerkt -ich moechte hier niemandem einen Vorwurf machen, ich klammere mich von dieser Entwicklung ja nicht aus! Aber wie heisst es doch so schoen "Reisen bildet" und oeffnet die Augen, erweitert den Horizont. Man sieht die Dinge halt mal von einem anderen Gesichtspunkt...

Dann gibt es aber wieder Momente, in denen ich dieses Land liebe: Naemlich immer dann, wenn ich aus dem Staunen ueber diese Menschen hier nicht mehr rauskomme - wenn ich am Reisen bin...Deshalb war ich vor 10 Tagen wieder ein bisschen in Suedindien unterwegs und ich moechte euch natuerlich die Fotos nicht vorenthalten und schicke euch damit ein bisschen Indien nach hause:

Nachdem sich die Austausch-Studenten nach den Pruefungen in alle Himmelsrichtungen in Indien verflogen haben, hab auch ich mir ein paar Tage am Strand Keralas gegoennt (Kovalam): Superschoener Strand, Palmen, feine Fisch-Gerichte und - Ayurvedische Massage: die wollt ich immer schon mal ausprobieren und so liess ich mich waehrend 2 Tagen je 2h mit viel warmem Oel und 4 kraeftigen Haenden und heissen Steinen durchkneten...ahhhh welche Wohltat!!!! Fuer alle, die so was auch ausprobieren moechten hier ein guter Tip: einfach nicht die Lieblingsunterhosen anziehen :-) !!!

Nachdem mein Ruecken wieder entspannt war fuehlte ich mich wieder bereit die naechste Herausforderung anzunehmen: Local Busses...hoprige Angelegenheit..aber irgenwie wollte ich zum suedlichsten Zipfel Indiens gelangen. Kanya Kumari (das "Ende des Landes" uf Tamilisch) hiess der Ort. Zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich von dem ein und selben Punkt den Sonnenuntergang und am naechsten Morgen auch den Sonnenaufgang sehen...


In Kanya Kumari treffen sich drei Meere: Arabisches Meer, Bucht von Bengalen und der Indische Ozean. Auch ein heiliger Ort fuer Hindus...baden im heiligen Wasser...

...Pilger....auf der Stirn das typische "Bindi": der punkt zwischen beiden Augenbrauen wird als Energie-Zentrum gesehen bei den Hindus. Durch das Bindi werden schlechte oder negative Energien davon abgehalten in den Mensch zu gelangen...
Ueber Madurai (Stadt mit enormem Tempel) gings nach Rameswaram. Ebenfalls wieder ein Pilgerort im Osten Tamil Nadus, von wo aus man Sri Lanka sehen kann. Hab immer gedacht da gaebe es einfach eine Bruecke und man koenne gemuetlich nach Sri Lanka fahren, aber dem ist nicht so...schade...sonst waere ich sicher schnell mal rueber gefahren :-)

Typischer suedindischer Tempel


...und wo Tempel sind, werden in Indien auch religioese Gebets-"Werkzeuge"?Utensilien... (tools wuerde man das wohl in englisch nennen...deutsche Sprache schwere Sprache.. :-)
Ueber Pondicherry (fruehere franzoesische Kolonie) gings mit einem Rumpel-Nachtbus wieder nach Bangalore wo ich jetzt die modernen Annehmlichkeiten des Campus geniesse und mit einigen von euch am plaudern bin chatten bin...eine Art Verabschiedung, weiss naemlich nicht genau, wie schnell die Internetverbindungen in Malaysia sein werden.

Noch zwei drei Dinge in eigener Sache die ich ueber Indien immer mal schreiben wollte:

- Banane ist nicht gleich Banane :-)

..rote, kleine (baby bananas), grosse (wie die bei uns), gruene und Butterbananen plus Kochbananen...

- Indien: das Land der Farben



- Und: vieles vieles mehr...aber das werd' ich euch dann erzaehlen wenn ich im Maerz wieder in der Schweiz bin...

In der Zwischenzeit moechte ich euch allen besinnliche Festtage wuenschen und einen guten rutsch ins 2007 - moege diese Jahr uns allen viel Zufriedenheit und Gesundheit bringen!! Erfolg, dass was man ja sonst auch so fuers neue Jahr wuenscht, wird dann automatisch kommen wenn erst mal die Zufriedenheit da ist... ;-)


Schicke euch mit diesem Foto ein paar warme indische Gruesse in die Schweiz, aber nicht zu viele, sonst wird der frisch gefallene Schnee (jedenfalls im Wallis) gleich wieder wegschmelzen....