17 September, 2006

Leben und Studieren @ IIMB

Vorweg nur eine kleine Bemerkung: Ich habe mich entschieden, wieder die Gross, -und Kleinschreibung im Blog zu verwenden damit erstens die deutsch Sprache durch das Internet nicht ganz verwahrlost :-) und zweitens dadurch die Lesefreundlichkeit erhalten bleibt…mein Kauderwälsch-Hochdeutsch ist sonst schon schwierig genug, insbesondere jetzt, wo ich den ganzen Tag fast ausschliesslich Englisch spreche…also dann:

Silberne Schrift (Sanskrit): "May the light shine upon your studies"
1. dunkle Schrift (Hindi) und 2. dunkle Schrift (Kannada): "Indian Institute of Management"

Nachdem ich mich nun einigermassen auf dem Campus eingelebt habe, möchte ich euch allen natürlich nicht vorenthalten, wie so ein typischer indischer Studentenalltag aussieht. Das schwierige an solch einer Beschreibung ist jedoch, wo damit wirklich angefangen werden soll. Denn die Grenze zwischen Tagesanfang und Tagesende ist fliessend und so kommt es oft vor, dass ich morgens um 7 Uhr noch die letzten indischen Studenten antreffe, die - neeeiiin, nicht nach einer durchzächten Nacht!! - die ganze Nacht an irgendwelchen Präsentationen oder Papers gearbeitet haben und wir zur selben Zeit die Zähne putzen, die einen zum Schlafen gehen, ich jedoch um den noch jungen Tag in Angriff zu nehmen. Spätestens hier stellt sich nun die Frage, welcher Tagesablauf für euch spannender ist: meiner oder der indische? :-) hmm, also zuerst der indische: ich glaube, bin mir da nicht 100%ig sicher, der typische indische Student schläft dann so bis gegen Mittag (auch wenn er „schon“ morgens um 3 uhr ins Bett ging, was auch keine Seltenheit ist) und geht dann erstmals essen. Essen ist in Indien sehr wichtig, mitunter neben der Religion wohl die zweiwichtigste Tätigkeit des Inders überhaupt. Und so ist es nicht sonderlich erstaunlich, dass hier an der Uni während 24 Stunden 7 Tage die Woche etwas gegessen und getrunken werden kann:

  • Morgenessen ist von 7:30 Uhr bis 10:00 Uhr
  • Mittagessen von 12:30 Uhr bis 14:00 Uhr
  • Snacktime wahrscheinlich von 15:00 Uhr bis rund 17:00 Uhr, in Indien weiss man (=Ausländer oder Tourist) da nie so genau :-)
  • Nachtessen von 19:30 Uhr bis 21:00 Uhr
  • Nightcanteen von 22:00 Uhr bis 2:00 Uhr morgens

Zusätzlich zu diesen „fixen“ Zeiten ist ein kleiner Kiosk 24 Stunden geöffnet und von rund 8:00 Uhr bis Mitternacht können an einem weiteren Buffet warme Speisen und leckere Fruchtsäfte und Shakes (Wassermelonen, Bananen, Mosambi (indische Orangensorte) und gelegentlich Papaya) gekauft werden. Ihr seht also, an Essen fehlt es mir hier sicherlich nicht!!! Was und wie gegessen wird seht ihr dann in einem weiteren Eintrag…

Matthias (Dt) und ich beim Mittagessen...täglich Reis, Roti/Tchapati (indisches Fladenbrot), scharfe curries aller Art und dann und wann leckere Wassermelonen, Ananas oder Papaya

Zurück zum indischen Studentenalltag: Irgendwann am Nachmittag haben die Inder Vorlesungen und natürlich gibt’s zwischendurch immer wieder was zu naschen oder einen Tchai zu tinken und nach dem Nachtessen gehen die Inder wieder ans Studieren oder einen Film schauen. Zwischendurch wird noch Sport getrieben – zu meinem Erstaunen hört man dann um 23:30 Uhr Sätze wie „we go for some Kricket, do you wanna join us?“ oder nach meiner verdutzter Miene „what’s up? Do you want to play some Tsepak (eine Art Volleyball ohne Hände, sondern nur mit Füssen) with us?“. Ihr seht also, die Inder sind wirklich sehr nachtaktiv – natürlich nicht alle, aber ein grosser Teil davon schon. Und während sich unsereins dann gegen Mitternacht aufs (harte) Bett freut, studieren viele Inder wieder bis tief in die Nacht hinein…

"morgens halb zwei in indien" (sieh Wecker)

Diesem Rhythmus kann ich mich natürlich nicht ganz entziehen und so war ich vor allem am Anfang (also noch so vor einer Woche) immer wieder zwischen dem indischen Rhythmus und meinem eigenen hin -und hergerissen: Ich war bis morgens um 2 Uhr mit den Indern unterwegs und bin dann um 7 Uhr brav wieder aufgestanden, habe die morgens die Vorlesungen besucht und bin nachmittags in die Stadt gefahren um zu shoppen (wahrscheinlich wird dann zum Thema „Shopping in Bangalore/Indien“ auch noch ein Eintrag publiziert). Abends bin ich todmüde wieder zum Campus zurückgekehrt und war natürlich zu faul um noch was für die Uni zu tun…nun gut, die erste Woche ging das noch gut, aber jetzt in der zweiten Woche wird schon mächtig was von uns Studenten verlangt und so habe ich meinen Tagesrhythmus radikal geändert:

Um 6:15 Uhr habe ich mir fest vorgenommen zum Yoga zu gehen (und habe das auch schon 2 mal geschafft: Erfolgsquote 100%, immerhin hab ich mich erst vorgestern dazu entschieden J), wo ich nach einer Stunde Dehn- und Atemübungen um 7:30 Uhr zum Morgenessen gehe und dann spätestens um 8 Uhr entweder im Vorlesungssaal oder im Zimmer am Bürotisch sitze. Der Tag verfliegt mit Lesen, Vorlesungen und Internet rasant schnell und abends wird möglichst früh gegessen, damit ich mich noch auf den „Hindi-Unterricht“ vorbereiten kann, der um 22:00 Uhr (! Bis Mitternacht) beginnt. Joint-Venture-mässig bringen Matthias und ich hier einem Inder Deutsch bei und dieser uns Hindi. Dann um Mitternacht das letzte Mal die Mailbox checken und friedlich eindösen…

my room: J-201

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

oha... isch immer widr en wahri freit, dini Iträg z läse ! schinnsch ja wirkli zimmli bischäftigt... mit Yoga, shoppe, Uni, etc...
vorschlag: mach mal n bloggitrag, mit "some basic Hindi" ...

Stefan hat gesagt…

ok...wärdi mache...weiss nur nit, ob der bill gates di hindi-schriftzeiche öi cool het gfunne und microsoft das uberhöipt unnerstützt:-)
merci fer de itrag und schöns weekend iner ch und fer am Mi alls güeta!!

Nobody somewhere hat gesagt…

ummm copyrightverletzung :)